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Deponienachsorge: Warum sie unabdingbar ist

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Mit wachsendem Umweltbewusstsein führte der Gesetzgeber in Deutschland im Jahr 1972 das erste Abfallbeseitigungsgesetz ein. Zentrale Ablagerungsstätten wurden eingerichtet, Art und Herkunft des Abfalls wurden registriert – und es wurde geordnet abgelagert, eben „deponiert“. Abdichtungsmaßnahmen für den Untergrund erfolgten, das Sickerwasser wurde gesammelt und gereinigt.

Doch muss nicht nur der Wasserhaushalt einer Deponie überwacht werden. Bei der Zersetzung der organischen Bestandteile des Abfalls entsteht Methan, eines der sogenannten Treibhausgase. Als die Klimaschädlichkeit dieser Gasmigrationen erkannt wurde, etablierten sich auf den Deponien Techniken zur gezielten Erfassung des Deponiegases und Umwandlung in Strom. Ebenso wird teilweise die bei der Verstromung entstehende Abwärme genutzt.

2005 endete die Ära der Ablagerung organischen Restmülls. Entsprechend rechtlicher Vorgaben wie der ehemals gültigen „Technischen Anleitung Siedlungsabfall (TASi)“ darf seitdem kein unbehandelter Hausmüll mehr auf die Deponien – grundsätzlich nur noch Abfall mit einem Anteil organischer Materialien (Speisereste etc.) unter fünf Prozent. Hierdurch ist sichergestellt, dass aus dem nach 2005 abgelagerten Hausmüll keine nennenswerten Deponiegase entstehen.

Heute sind Deponien hochkomplexe, technisch anspruchsvolle Bauwerke. Ihre Abdichtung nach oben wie nach unten, Zwischenabdichtungen, Gaserfassung und Verstromung, Sickerwassersammlung und -behandlung, dazu die Grundwasserkontrolle – all das funktioniert bei heutigen Deponien nach ausgefeilten Masterplänen und erfordert neben hohem technischen Sachverstand auch erhebliche Investitionen.

Diese Arbeit endet nicht mit der Stilllegung einer Deponie, sondern mit der Nachsorgephase: Selbst Jahrzehnte nach der letzten Abfallanlieferung, nach Abdichtung der Oberflächen gegen Regen und nach ihrer Begrünung, müssen Deponien weiter überwacht und versorgt werden, diese Phase ist die der Nachsorge. Denn auch auf den grünen Hügeln stillgelegter Deponien wird das klimaschädliche Deponiegas weiter erfasst und, solange es möglich und sinnvoll ist, zu Strom umgewandelt. Auch das Sickerwasser muss weiter behandelt, Grundwasser ständig kontrolliert werden.

Ebenso enden die Rekultivierungsmaßnahmen dieser grünen „Landmarken“ nicht mit dem Aufbringen von Rekultivierungsboden und standortgerechter Bepflanzung. Was nach einigen Jahren landschaftsgärtnerischen Schaffens wie ein hügeliges Wanderparadies aussieht, bleibt ein ehemaliger Deponiestandort, der ständiger Weiterentwicklung und Kontrolle unterliegt.

Wegen der komplizierten örtlichen und technischen Gegebenheiten können Deponien in der Nachsorge daher meistens nicht einfach zur öffentlichen Nutzung als stadtnaher Freizeitpark freigegeben werden. Sie eignen sich aber hervorragend für den Biotop- und Artenschutz. Viele seltene Tier- und Pflanzenarten finden auf den eher nährstoffarmen Arealen attraktive Lebensbedingungen und Rückzugsräume.

Auf ehemaligen Deponiestandorten entwickelt sich daher oft eine besondere Artenvielfalt. Schon fünf Jahre nach der Rekultivierung finden sich hier zahlreiche und zum Teil vom Aussterben bedrohte Arten, darunter Wildbienen, seltene Schmetterlinge, Kreuzkröten, Fledermäuse, Schlingnattern und sogar Orchideen. Kein Zweifel: Deponienachsorge ist nicht nur Klima- und Gewässerschutz, sondern vor allem auch Biotop- und damit Naturschutz.

 

Mehr im Beitrag „Mitten auf der Deponie – Schöner Wohnen für Kreuzkröte & Co.“




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